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Samstag, 16. Oktober 2004, 14:19

[DA] [PM] HEAG stellt Verkehrssparte neu auf

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HEAG stellt Verkehrssparte neu auf
Aus zwei mach vier

DARMSTADT (sir) - Die HEAG wird ihre Verkehrssparte künftig neu strukturieren. Nach den Worten der HEAG-Vorstände Prof. Horst H. Blechschmidt und Harald Fiedler wird es spätestens zum 1. Januar 2005 statt der bisher zwei Verkehrsunternehmen im HEAG-Konzern - der HEAG Verkehrs-GmbH und dem privaten Omnibusunternehmen Glück & Seitz GmbH & Co. KG - künftig vier HEAG-Gesellschaften im Mobilitätssektor geben.

Hintergrund dieser Strukturveränderungen sind die Forderungen des Landes Hessen nach wettbewerblichen Ausschreibungen bei der Vergabe von Nahverkehrsleistungen. Die HEAG hatte diese Entwicklung frühzeitig erkannt und sich bereits Ende 1999 mit dem Kauf des privaten Omnibusunternehmens Glück & Seitz GmbH & Co. KG ein unternehmerisches Standbein geschaffen, mit dem sie sich bei Ausschreibungen um Linienkonzessionen im Busverkehrsmarkt bewirbt. "Schon jetzt ist erkennbar, dass der Wettbewerb einen harten Preiskampf bringt und uns schlanke Kostenstrukturen abverlangt. Nur mit den günstigeren Lohnstrukturen des privaten Omnibusgewerbes wie bei Glück & Seitz haben wir am Markt eine Überlebenschance und können den Busbetrieb im HEAG-Konzern halten," beschreibt Personalvorstand Harald Fiedler die Wettbewerbssituation. Aus diesen Überlegungen heraus wird der Busbetrieb vollständig aus der HEAG Verkehrs-GmbH herausgelöst und in der bisherigen Glück & Seitz GmbH & Co. KG zusammengefasst.
Die vollständige Umsetzung der neuen Struktur der Verkehrssparte soll zum 1.1.2005 erfolgen. Ist Glück & Seitz bisher noch eine Schwester der HEAG Verkehrs-GmbH, wird sie künftig als ein Tochterunternehmen in die Ver-kehrssparte eingegliedert.

Neben dem Busbetrieb der HEAG wird in Zukunft auch die Omnibuswerkstatt als eigenständiges Unternehmen am Markt auftreten. Die im vergan-genen Jahr vertraglich besiegelte Werkstatt-Kooperation mit Daimler-Chrysler wertet Fiedler als Einstieg in den externen Markt. Die Ausgründung der Omnibuswerkstatt als eigenes Unternehmen ist zum 1. Januar 2005 geplant.

Die HEAG Verkehrs-GmbH wandelt sich in eine Infrastrukturgesellschaft und wird als Dachspartengesellschaft den anderen Verkehrsgesellschaften voranstehen. Sie wird ihre Leistungen, z.B. die der Verkehrsleitstelle, in übergeordneter Funktion als unternehmensunabhängiger Dienstleister auch für andere Verkehrsunternehmen erbringen. Auch das Kundenzentrum und die künftige Mobilitätszentrale werden aufgrund ihrer übergeordneten Funktion hier angesiedelt sein.

Als viertes Unternehmen wird 2005 eine Straßenbahnbetriebsgesellschaft entstehen; sie dient der Vorbereitung auf künftige Ausschreibungen im Straßenbahnsektor.

Neue Unternehmensnamen
Mit der neuen Spartenstruktur geht auch eine Änderung der Unternehmensnamen einher: "Sowohl die HEAG Verkehrs-GmbH als auch Glück & Seitz erhalten veränderte Aufgaben, das wollen wir mit neuen Namen verdeutlichen", erläuterte Blechschmidt die Neufirmierung.

Der Name "HEAG" wird allen Unternehmen der Verkehrssparte einheitlich voranstehen. Anders als bisher wird sich künftig die Art der Dienstleistung, die Mobilität, als gemeinsamer Namensbestandteil durchgängig in allen Spartentöchtern widerspiegeln. So wird die Dachspartengesellschaft HEAG mobilo GmbH heißen, die Busgesellschaft wechselt von Glück & Seitz GmbH & Co. KG zu HEAG mobiBus GmbH & Co. KG, die Omnibuswerkstatt wird unter dem Namen HEAG mobiServ firmieren, die Straßenbahn-betriebsgesellschaft nennt sich kurz HEAG mobiTram.

Die Geschäftsführung der Dachspartengesellschaft HEAG mobilo liegt in den Händen von Prof. Horst H. Blechschmidt und Harald Fiedler, die Geschicke der HEAG mobiBus GmbH und Co.KG. werden Karl-Heinz Holub und Matthias Kalbfuss lenken, die bisher auch für Glück & Seitz verantwortlich waren. Beide werden künftig auch die Leitung des Werkstattunternehmens HEAG mobiServ übernehmen. Zudem wird Karl-Heinz Holub gemeinsam mit Michael Böddeker die neue Straßenbahnbetriebsgesellschaft führen.

Alle Verkehrsunternehmen der HEAG erhalten ihr eigenes Logo. Nach und nach wird dann auch erkennbar, was zu welchem Unternehmen gehört. Die HEAG-Busse werden schon in wenigen Wochen das neue HEAG mobiBus-Logo tragen. Die Farben Blau und Orange bleiben erhalten, die blauen "HEAG"-Buchstaben präsentieren sich deutlich moderner. Die zweite Textzeile, die je nach Unternehmen variiert, erscheint in lebhaftem Orange und macht das Logo dann komplett.

Während für die neue Infrastrukturgesellschaft HEAG mobilo und die Busgesellschaft HEAG mobiBus sich das neue Design bis zum Jahresende durchgesetzt haben wird, wird die neue Werkstattgesellschaft HEAG mobiServ erst zum Jahreswechsel auftreten. Eine Anpassung des Internetauftritts wird zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember erfolgen.

Für den Fahrgast wird es trotz des strukturellen Wandels in der HEAG-Verkehrssparte keine qualitativen Veränderungen geben. "Nach wie vor setzen wir uns für einen attraktiven ÖPNV in Darmstadt ein. Unsere Busse und Bahnen fahren auch künftig wie gewohnt. Weder im Fahrplan noch bei den Fahrpreisen wird es dadurch Änderungen geben, und auch das Kundenzentrum bleibt an seinem angestammten Platz", so Blechschmidt.

Äußerlich sichtbares Zeichen der Veränderung werden die neuen Namen auf den Fahrzeugen sein. "Es könnte allerdings sein, dass bei gewonnenen Ausschreibungen die Darmstädter künftig einen HEAG-Bus jenseits heimischer Gefilde entdecken, aber das dürfte ja weniger ein Anlass der Irritation, sondern vielmehr der Freude sein", so Blechschmidt abschließend.


Quelle: HEAG

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Samstag, 16. Oktober 2004, 14:23

[PM] Heag gegen „brutale Privatisierung“

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Heag gegen „brutale Privatisierung“
Darmstädter Verkehrsriese bereitet sich mit neuer Struktur auf Konkurrenz an der Haustür vor

„Fesseln der Hessischen Gemeindeordnung“, „Verslummung von Stadtteilen“, „brutale Privatisierung“ – das Vokabular der Heag-Spitzen Horst Blechschmidt und Harald Fiedler ist dazu angetan, den Untergang des Abendlandes zu vermuten. Dabei geht es eigentlich nur um eine Neustrukturierung des Darmstädter Verkehrsriesen angesichts sich verschärfender Wettbewerbsbedingungen. Denn über die Europäische Union in Brüssel ist eine Verordnung nach Deutschland und somit auch nach Darmstadt gelangt, die eine grundsätzlich europaweite Ausschreibung bei der Vergabe von Lizenzen im öffentlichen Busbetrieb verlangt.

Damit könnten Blechschmidt und Fiedler ja noch leben. Doch gleichzeitig droht eine Teil-Novellierung der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), wonach sich in Hessen – und nur in Hessen – kommunale Tochterunternehmen nicht außerhalb ihres Bereichs engagieren dürfen. „Wir wollen und werden dies nicht akzeptieren“, wettert Blechschmidt gegen diese aus Sicht der Heag drohende Wettbewerbsverzerrung und „brutale Privatisierung“. Ganz klar: Da kündigen sich juristische Schritte gegen die Landesregierung an. Denn Fiedler sieht darin die „Fesseln der HGO“.

Dabei hat es allein schon die am Freitag vorgestellte Neustrukturierung der Heag-Verkehrssparte in sich. Sie bringt optische Veränderungen, an die sich auch der Bürger gewöhnen muss. Schon zum 1. Januar werden die bislang zwei Verkehrsunternehmen in der Heag-Holding – die Verkehrs-GmbH und das 1999 aufgekaufte Omnibusunternehmen Glück und Seitz mit einem Pool von rund 200 Fahrern – aufgelöst.

Künftig wird es dafür gleich vier neue Heag-Gesellschaften mit neuen Logos geben: Unter dem Kopf der Heag-Holding sitzt zunächst die neue Dachspartengesellschaft „Heag mobilo“ (Infrastruktur) unter Leitung der Holding-Vorstände Blechschmidt und Fiedler.

Darunter firmieren drei weitere, ebenfalls neue Sparten: „Heag mobibus“ (Busbetrieb) mit sofortiger Wirkung, „Heag mobiserv“ (Werkstattbereich) und „Heag mobitram“ (Straßenbahnbetrieb) im kommenden Jahr.

Schon in wenigen Wochen soll bei „mobibus“ das neue Logo in den Hausfarben blau und orange an den Bussen prangen. Zum Jahreswechsel erreicht die Neuerung auch Werkstattbereich und Straßenbahnbetrieb.

Für den Fahrgast, versichern die beiden Vorstände, soll es trotz des strukturellen Wandels „keine qualitativen Veränderungen“ geben. Will heißen: Fahrplan und Preise bleiben unverändert. Zunächst.

Harter Preiskampf, günstigere Lohnstrukturen – das sind die Maxime der Heag-Unternehmenspolitik. Die ersten, bislang in Heag-Hand befindlichen und auf acht Jahre vergebenen Konzessionen für den Betrieb von Busliniennetzen in Darmstadt und Umgebung laufen im kommenden Jahr aus. Europaweite Neuausschreibungen nehmen dann Stadt und Dadina gemeinsam vor und entscheiden nach kostengünstigsten Angeboten über die Vergabe. Danach erteilt das Regierungspräsidium in Darmstadt die Konzessionen für die alten oder neuen Betreiber.

Gegen potenzielle Mitbewerber zum Beispiel aus Hamburg oder Mannheim will sich die Heag behaupten und wandelt das bisherige Tochter-Busunternehmen Glück und Seitz in „mobibus“ um. Damit verspricht sich der Verkehrsriese die günstigeren Löhne des privaten Omnibusgewerbes anstatt höherer Gehälter aus alten Heag-Verträgen. „Nur dadurch haben wir am Markt eine Chance“, glaubt Fiedler. Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi stehen allerdings noch aus. Also reine Kostendrückerei? Dem widerspricht Blechschmidt vehement: „Es geht uns um die Sicherung der Arbeitsplätze.“

„England ist für uns ein negatives Beispiel“, zeichnet Blechschmidt ein düsteres Bild. Dort sei die freie Vergabe der Lizenzen bereits Realität. Mit der Folge, „dass jeder fährt, wo er will und wie er will“. Unrentable Strecken mit wenigen Fahrgästen würden einfach nicht mehr bedient, Kinder in entlegenen Bereichen könnten nicht mehr mit dem Bus zur Schule. Blechschmidt: „Das ist die Verslummung von Stadtteilen.“

Soweit muss es in Darmstadt ja nicht gleich kommen. Doch Glück&Seitz-Chef Matthias Kalbfuss warnt: „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir alle Ausschreibungen gewinnen.“

Quelle: Darmstädter Echo, 16.10.04