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Disponent

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21

Montag, 2. Januar 2017, 15:21

Es ist das Verkehrsministerium, das Wirtschaftsministerium und jeder damit befasste Lokalpolitiker

Die Ausschreibungen wurden ins Leben gerufen um eine Verbesserung herbeizuführen. Quantitativ gelungen, qualitativ nicht. Die Qualitätsstandards der Nahverkehrsorganisationen, Bonus Malus alles abgeschafft. In den Betrieben bewegt sich kaum etwas. Man bekommt keine Busfahrer für diese Gehälter. Zum Glück erwischt es jetzt auch die Privaten. Die kommunalen Unternehmen, die alles einhalten, hätten ohne Direktvergabe keine Chance. Den Gegnern der Direktvergabe sei gesagt, dass in Hessen hierfür 30 Subunternehmen beschäftigt werden müssen. Was die zum Teil abliefern, war hier schon Thema und ist unterirdisch. Nicht erst seit Fahrplanwechsel. Wie kann es sein, dass Busfahrer bis zu 240 Stunden im Monat hinter dem Lenkrad sitzen? Die ist sogar den Auftraggebern bekannt. Wie kann der RMV (angeblich ein politischer Verband) einen Unternehmer (Fa. Werner) mit Leistungen betrauen, obwohl er selbst die Finanzierung für unreell hält? Warum wehrt man sich im Verkehrsministerium so vehement gegen die grundsätzliche Einführung der Fahrerkarte für alle Linienfahrten? Man weiß auch dort, dass dann alles zusammenbricht. Und die Ebene ist da schon richtig. Wenn Betriebe höhere Löhne zahlen müssten, wären hohe Nachforderungen notwendig. Die will aber die öffentliche Hand nicht bezahlen. Häufig nimmt man inzwischen Verspätungen hin, weil man sonst ein zusätzliches Fahrzeug einsetzen müsste, um ein vorschriftsmäßiges Fahren sicherzustellen. Hier wären die Regierungspräsidien gefordert regelmäßig zu prüfen. Es drohen massive Streiks in Hessen, aber man versucht es auszusitzen. Es gibt in Hessen ein Tariftreuegesetz und trotzdem Betriebe, die mit Aushilfen arbeiten und weniger bezahlen. Das Tariftreuegesetz in anderen Ländern beinhaltet, dass man Mitarbeiter mit ihrem erarbeiteten Lohn übernehmen muss, wenn man eine Linie übernimmt. Bei uns wird er dadurch im schlimmsten Fall zum Sozialfall. Ja ich weiß wovon ich rede. Ich habe etliche Kollegen denen es so ergangen ist.

22

Montag, 2. Januar 2017, 20:10

Das Tariftreuegesetz in anderen Ländern beinhaltet, dass man Mitarbeiter mit ihrem erarbeiteten Lohn übernehmen muss, wenn man eine Linie übernimmt. Bei uns wird er dadurch im schlimmsten Fall zum Sozialfall.
Es gibt in Deutschland kein einziges Tariftreuegesetz mit einer solchen "muss-Regelung". Einige Ländergesetze sagen zum Betreiberwechsel gar nichts, die übrigen über nehmen mehr oder weniger wörtlich die entsprechende Passage der EG-VO 1370/2007, so auch in Hessen § 5 HVTG:

Zitat

Wird in einem Vergabeverfahren im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs ein anderes Unternehmen (Betreiber) als das bisherige beauftragt und will der Besteller auf der Grundlage von Art. 4 Abs. 5 der Verordnung (EG) Nr. 1370/2007 - unbeschadet des § 613a des Bürgerlichen Gesetzbuches - den neuen Betreiber verpflichten, die Beschäftigten, die zuvor zur Erbringung der Dienste eingestellt worden waren, zu den bisherigen Arbeitsbedingungen zu übernehmen, ist der frühere Betreiber verpflichtet, dem Besteller auf Anforderung innerhalb von sechs Wochen in Textform Informationen zur Verfügung zu stellen, aus denen sich die Bedingungen der Beschäftigungsverhältnisse ergeben.
Der Besteller kann das in der Ausschreibung anordnen.

23

Montag, 2. Januar 2017, 20:15

Fahrerkarte für alle Linienfahrten

Kann mir jemand diesen Begriff erklären?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SoundofN1« (2. Januar 2017, 20:15)


24

Montag, 2. Januar 2017, 23:07

Kann mir jemand diesen Begriff erklären?
Gerne.
Gemeint ist die Fahrerkarte, die zusammen mit den zugehörigen Gerät im Fahrzeug seit Jahren den alten Tachographen ersetzt hat und im LKW-Verkehr und im Fernbusverkehr eingesetzt wird, um die Lenkzeiten der Fahrer zu dokumentieren.
Im Linienverkehr bis 50 km ist die Verwendung dieser Karte bisher nicht verpflichtend, sodaß nur manuell Aufzeichnungen geführt werden müssen - und wir wissen ja, Papier ist geduldig. So können teilweise Arbeits- und Lenkzeiten "jenseits von Gut und Böse" zusammen kommen ohne daß es irgendwo nachprüfbar wäre... Mit dieser Karte ist die Manipulation deutlich schwieriger.
IM Maria is watching you.

25

Montag, 2. Januar 2017, 23:50

Im Linienverkehr bis 50 km ist die Verwendung dieser Karte bisher nicht verpflichtend, sodaß nur manuell Aufzeichnungen geführt werden müssen - und wir wissen ja, Papier ist geduldig. So können teilweise Arbeits- und Lenkzeiten "jenseits von Gut und Böse" zusammen kommen ohne daß es irgendwo nachprüfbar wäre... Mit dieser Karte ist die Manipulation deutlich schwieriger.
Als Unternehmer würde ich das nicht auf die leichte Schulter nehmen; ob analog oder digital - die Auszeichnungrn über die Lenkzeiten müssen lückenlos geführt und aufbewahrt und zur Kontrolle bereitgehalten werden. Verstöße können empfindliche Bußgelder zur Folge haben und auch im Bereich des ÖPNV zur gewerberechtlichen und Persbef-rechtlichen Unzuverlässigkeit führen. Und dann isch over.

Du kannst ja im Verdachtsfalle mal eine Überprüfung initiieren.

26

Dienstag, 3. Januar 2017, 07:43

Ich persönlich habe da keine Verdachtsfälle, weder arbeite ich im Busbereich noch habe ich da irgendwelche Connections. Aber schau dir die Ausführungen von "Disponent" an...
IM Maria is watching you.

27

Sonntag, 8. Januar 2017, 13:28

Ich erlaube mir mal, auf @Linie 27s Beitrag hier zu antworten, weil thematisch besser passt.

Zitat

Linie 27:
Wenn ich mich recht erinnere, wurden zu Stadtwerke-Zeiten die Busfahrer höher entlohnt als die Straßenbahnfahrer, weil sie zusätzlich zur Fahrtätigkeit noch den Fahrkartenverkauf leisten mussten. Und die wenigen Straßenbahnfahrer, die noch zu Stadtwerke-Bedingungen unterwegs sind, haben mit ihrem Lohn immer noch ein gutes Auskommen.
Wer sich die Mühe macht, die im ersten Beitrag diese Themas verlinkten Tarifverträge zu vergleichen, wird feststellen, dass die Stundenlöhne selbst nicht sehr weit auseinanderliegen. Die Besserstellung im kommunalen Tarifvertrag erfolgt durch eine automatische Erhöhung der Vergütung nach Erreichen bestimmter Dienstalterstufen (gibts beim LHO-Tarif gar nicht), bei den Sonderzahlungen und Zuschlägen, Urlaub und einigen kleineren Dingen. Das führt zu einer üppigeren personalen Ausstattung in Werkstatt- und Dienstleistungsbereichen und führt(e) letztlich dazu, dass die VGF deutlich mehr Personal bezahlen muss, um einen Bus oder eine Bahn eine Stunde auf die Strecke zu bringen, als ein Unternehmen, dass nach LHO-Tarif zahlt. In der wettbewerblichen Vergabe sind die KAV-gebundenen Unternehmen deshalb nicht konkurrenzfähig.

Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass "die Politik" das ändern sollte. Die Vereinbarung der Vergütungen und Arbeitsbedingungen ist Sache der Tarifpartien. Und wenns die Aufgabenträger am Ende mehr kostet, dann kostet es eben mehr. Wenn's zuviel wird, steigen die Preise, die öffentlichen Zuschüsse oder das Angebot wird eingeschränkt, oder alles zusammen. Ist eigentlich ganz einfach.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »tunnelklick« (8. Januar 2017, 13:31) aus folgendem Grund: Formatierung


28

Montag, 9. Januar 2017, 08:39

Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass "die Politik" das ändern sollte. Die Vereinbarung der Vergütungen und Arbeitsbedingungen ist Sache der Tarifpartien. Und wenns die Aufgabenträger am Ende mehr kostet, dann kostet es eben mehr. Wenn's zuviel wird, steigen die Preise, die öffentlichen Zuschüsse oder das Angebot wird eingeschränkt, oder alles zusammen. Ist eigentlich ganz einfach.


Es wäre erst einmal zu klären, wie man "die Politik" definiert. Es werden z.B. Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt oder der Mindestlohn festgesetzt. Das ist "die Politik". Für mich ist "die Politik" auch die Gewerkschaft, die im Augenblick für einen höheren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen streikt.

In dem Augenblick, in dem es öffentliche Zuschüsse gibt, will die öffentliche Hand etwas erreichen. Es könnten zum Beispiel soziale Ziele sein (ÖPNV muß für jeden bezahlbar bleiben) oder ökologische (weniger Dreck in der Luft). Wenn diese Ziele wichtig genug wären, wäre auch Geld da.

Ole

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29

Montag, 9. Januar 2017, 09:17

Wer sich die Mühe macht, die im ersten Beitrag diese Themas verlinkten Tarifverträge zu vergleichen, wird feststellen, dass die Stundenlöhne selbst nicht sehr weit auseinanderliegen. Die Besserstellung im kommunalen Tarifvertrag erfolgt durch eine automatische Erhöhung der Vergütung nach Erreichen bestimmter Dienstalterstufen (gibts beim LHO-Tarif gar nicht), bei den Sonderzahlungen und Zuschlägen, Urlaub und einigen kleineren Dingen. Das führt zu einer üppigeren personalen Ausstattung in Werkstatt- und Dienstleistungsbereichen und führt(e) letztlich dazu, dass die VGF deutlich mehr Personal bezahlen muss, um einen Bus oder eine Bahn eine Stunde auf die Strecke zu bringen, als ein Unternehmen, dass nach LHO-Tarif zahlt. In der wettbewerblichen Vergabe sind die KAV-gebundenen Unternehmen deshalb nicht konkurrenzfähig.
Man darf allerdings nicht vergessen, dass der TV-N/Landesbezirkstarifvertrag Hessen deutlich unter dem ehm. gültigen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst liegt. Daher fällt der Unterschied zwischen LHO und TVN nicht so stark aus. Wenn müsste man die Tarifverträge des LHO mit denen des öffentlichen Dienstes vor 2010 vergleichen und da sind gravierende Unterschiede festzustellen. Der TV-N wurde von den Gewerkschaften auch nur zähneknirschend angenommen, da die Befürchtung der Ausgliederung etc. zu groß war.