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Montag, 27. August 2018, 19:02

Siemens bremst BVG aus

Die BVG benötigt dringend neue U-Bahn-Fahrzeuge und wollte 80 Wagen bei Stadler nachbestellen. Siemens war damit nicht einverstanden und hat sich mit der BVG geeinigt:

https://www.morgenpost.de/berlin/article…ahn-Streit.html

Wenn ich das richtig verstehe, besteht nun das Risiko (für die Fahrgäste), dass es für einen bestimmten Zeitraum noch enger wird in den U-Bahnen. :thumbdown:

.. weil sich nicht vorhersehen lässt, wann wie viele Bahnen nicht mehr einsetzbar sein werden. Denn erst, wenn die genannte Frist (Mitte 2019) erreicht ist, kann man feststellen, ob man die benötigten Bahnen ausschreiben muss (Verfügbarkeit erst deutlich später) oder flott nachbestellen kann.

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Montag, 27. August 2018, 19:13

Wenn ich das richtig verstehe, besteht nun das Risiko (für die Fahrgäste), dass es für einen bestimmten Zeitraum noch enger wird in den U-Bahnen.

Also ist deiner Ansicht nach der böse Siemens-Konzern schuld, dass die BVG verschlafen hat, rechtzeitig neue Züge für das Großprofil zu bestellen? Klar, bei 37-39 Jahre alten Zügen kommen Alterserscheinungen und Materialermüdung schon sehr überraschend und unvorhersehbar!
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Montag, 27. August 2018, 19:28

So, wie ich es mitbekommen habe, wurden F79-Züge ertüchtigt (statt neue zu bestellen), nur dass dies eben doch nicht so gut war, wie ursprünglich geplant. Verschlafen hat die BVG da nichts. Die Ertüchtigung von Fahrzeugen wurde auch schon anderswo gemacht.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SoundofN1« (27. August 2018, 19:29)


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Montag, 27. August 2018, 20:14

So, wie ich es mitbekommen habe, wurden F79-Züge ertüchtigt (statt neue zu bestellen), nur dass dies eben doch nicht so gut war, wie ursprünglich geplant. Verschlafen hat die BVG da nichts. Die Ertüchtigung von Fahrzeugen wurde auch schon anderswo gemacht.

Bereits 2014 (!) war der BVG bewusst, dass eine Ertüchtigung der Baureihe F79 problematisch sein könnte:

Zitat von »Berliner Morgenpost«

Die Ertüchtigung von 39 Doppeltriebwagen der 1976 und 1977 von Orenstein & Koppel, Waggon Union sowie der AEG gebauten Wagen soll Ende 2016 abgeschlossen. Ein weiteres Wagenpaar der Serie wird als Spender der meist nicht mehr erhältlichen Ersatzteile in Reserve gehalten.

Die Modernisierung der 35 Doppeltriebwagen der Nachfolge-Baureihe F79 wird derzeit von der BVG geprüft, ist aber noch nicht beschlossen. Das Problem: „Umso jünger die Fahrzeuge, umso mehr wurde vom Hersteller bei Technik und Material optimiert“, sagt U-Bahn-Chef Kaiser. Weil etwa die Bleche dünner sind, stellen die BVG-Techniker oft mehr und größere Schäden an den Fahrzeugen fest, eine Erneuerung loht sich dann oft nicht mehr.

Quelle: https://www.morgenpost.de/berlin/article…dernisiert.html

Die letzten 4 Jahre ist also nichts passiert, kein Plan B, nur die Erkenntnis, dass die Züge der Baureihe F79 nicht ertüchtigt werden können. Das ist schon ziemlich naiv.
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Montag, 27. August 2018, 20:32

Nicht nur die Hersteller wollen "optimieren", auch die Betriebe (müssen sparen)

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Dienstag, 28. August 2018, 03:40

Die Unternehmen sollten sich besser auf ihre Produkte und Dienstleistungen konzentrieren, dass sie nachhaltig für Mitarbeiter, Kunden und Dritte sowie preiswert sind.

Wenn Siemens unbedingt der BVG Züge verkaufen möchte, hätte Siemens der BVG ein Angebot machen können, dass die BVG nur 56 Wagen bei Stadler bestellen braucht, weil 24 Wagen Siemens beisteuern kann. So wäre die BVG noch schneller zu neuen Zügen gekommen. Womöglich zu einem günstigeren Preis bei gleicher oder besserer Qualität. Die technische Spezifikationen sind ja bekannt.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SoundofN1« (28. August 2018, 03:41)


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Dienstag, 28. August 2018, 07:02

Das wäre dann aber komplett falsch. Wenn die BVG nach Lust und Laune bei den einzelnen Herstellern bestellt, werden die Ausschreibungen komplett umgangen.

Hier geht es um den plötzlichen (sehr diskutabel) Bedarf von neuen U-Bahnfahrzeugen. Für plötzlichen Bedarf sieht das EU-Ausschreibungsrecht eine Ausnahme vor. Wenn du hingegen irgendwo so nach dem Motto "Gib mir zehn Züge und verklag mich dafür nicht" bestellst, dann hat jede Klage gegen dich Bestand. Weil damit umgehst du die Ausschreibung.

Was aber praktikabel wäre, wäre dass Stadler Siemens mit in die Produktion einbezieht. Also z.B. Bau von 20% der Züge bei Siemens oder der Endausbau bei Siemens etc. Da müssten sich aber BVG, Stadler und Siemens zusammen an einen runden Tisch setzen.

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Dienstag, 28. August 2018, 08:26

Dann könnte aber jeder Hersteller auch verlangen, beteiligt zu werden.
Ist aber nur die Frage, ob sich ein Hersteller mit solchen Aktionen langfristig bei potentiellen Bestellern Freunde macht.
Mit Sicht auf auf die eigenen Anteilseigener musste Siemens das wohl tun.

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Dienstag, 28. August 2018, 11:03

Bei Lichte besehen war die „Notbestellung“ wettbewerbsrechtlich ziemlich dämlich. Man braucht nicht gleich Verschwörungstheorien anzuhängen, aber wer weiß, vielleicht war alles auch ganz anders? Man braucht nicht viel Phantasie für ein „Berliner Szenario“.

Spekulieren wir mal: Stadler hat unter großem Beifall der Berliner Lokalpolitik vor ein paar Jahre eine neue Fertigungsstraße errichtet, in Berlin-Pankow. Das war 2011. Jeder weiß, unter welchem Druck die Branche steht. Vielleicht verkauften sich die Stadler-Produkte nicht so gut, wie erwartet oder es gab einen Rückschlag bei der Auftragsaquise, kurzum, es drohte Unbill für die Beschäftigung im so sensiblen Berliner Osten (Betriebsräte und Gewerkschaften wissen meistens ziemlich gut Bescheid in ihren Betrieben). Vielleicht hat Stadler mit den Gewerkschaften gekungelt: keine betriebsbedingten Kündigungen usw., wenn nicht demnächst ein Anschlussauftrag kommt.
Es wäre naiv anzunehmen, dass es zwischen den Regierungsparteien im Berliner Senat, den Gewerkschaften und Betriebsräten nicht intensiven Austausch gibt. Bevor überhaupt Unruhe aufkommt, könnte der Deal mit der „Notbestellung“ erdacht und eingefädelt worden sein. Die BVG ist vermutlich auch nicht immun gegen politische Einflussnahmen und es wäre auch nicht das erste Mal, dass vor allem den Gewerkschaften politisch verpflichtete Mandatsträger versuchen, die Fesseln des Wettbewerbsrechts abzustreifen. Vielleicht war die Klage von Siemens nur der Wink mit dem Zaunpfahl an die Berliner Koalition „hört auf mit der Kungelei!“ („Wenn schon, dann nicht ohne uns!“), sozusagen eine Warnung an den "roten Filz", es nicht zu weit zu treiben. Vermutlich aber ist das ein komplett abwegiges Szenario.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »tunnelklick« (28. August 2018, 11:06)


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Dienstag, 28. August 2018, 11:17

Vermutlich aber ist das ein komplett abwegiges Szenario.

Die Erfahrung lehrt, dass in der Regel das Gegenteil der Fall ist, und man ruhig den „schlimmstmöglichen“ Fall annehmen kann. Vermutlich ist deine Beschreibung nur eine oberflächliche Zusammenfassung dessen, was da so tatsächlich hinter den Kulissen abläuft. Gerade auch die Herrschaften bei Siemens sind ja nun bekannt dafür, keine Kinder von Traurigkeit zu sein, was solche Dinge betrifft.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jediefe« (28. August 2018, 11:18)