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Donnerstag, 27. Mai 2004, 01:48

[DA] PM:Hinterm Strich steigt die Oma aus

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Hauptbahnhof inzwischen richtig gut erreichbar – nachdem das viele Jahre anders gewesen war. Bei Autofahrern dagegen sind die Ansichten geteilt.

Aus Bus und Bahn kann man eben einfach aussteigen, ohne sich um den Verbleib des Fahrzeugs kümmern zu müssen. Der eigene Wagen braucht jedoch einen Abstellplatz – selbst wenn man nur mal rasch eine Zeitung kaufen will.

Kurzzeitparkplätze: Gibt es davon genug? Diese Frage beschäftigte jüngst den Bauausschuss Die CDU hatte mit einem Antrag dort die Stadtverordneten zur Korrektur der als unbefriedigend empfundenen Situation anregen wollen. Der Magistrat solle mit der „Schaffung einer Möglichkeit für einen kurzen Halt zum Ein- und Aussteigen“ beauftragt werden, so die Formulierung von Michael Reißer.

Der Antrag wurde mit der Mehrheit von SPD und Grünen abgelehnt. Man hatte der Union angeboten, ihr Begehr in geschäftsordnungsmäßige Behandlung zu nehmen – „mir redde noch e-mol driwwer“, heißt das. Oder anders gesagt: Eure Idee ist nicht schlecht, aber lasst uns noch mal gucken, auf welchem Weg wir’s machen. „Doch die CDU wollte Klarheit sofort und“, so die SPD-Fraktionsvorsitzende Sabine Seidler, „ließ sich darauf nicht ein.“

Reißer argwöhnt, die Koalition habe ja nur „von der Fehlplanung des Parkhauses ablenken wollen“. In der Tat spielt das Parkhaus in der Diskussion eine Rolle.

Erstens steht es da, und zweitens kann es eine halbe Stunde lang umsonst benutzt werden. Man solle also nicht so tun, als gebe es nach dem Umbau der Bahnhofsumgebung gar keine Abstellflächen für Autos mehr, sagt Baudezernent Dieter Wenzel.

„Aber ich will auch nicht die ganze Gegend vollpollern, nur damit die Leute ins Parkhaus fahren“ (das die Leute übrigens mit ihren Steuern bezahlt haben). Die Pollerbemerkung bezieht sich auf den Südrand des Europaplatzes, wo bis vor kurzem noch zwölf Parkplätze eingerichtet waren, davon zwei für Behinderte. „Die habe ich wegmachen lassen, weil wir einfach das Personal nicht haben, um zu kontrollieren, ob die Autos da nicht länger draufstehen, als sie dürfen.“

Zuvor schon waren die Parkplätze im Zweifalltorweg zugunsten von Busbuchten entfallen. Was machen nun die Autofahrer? Nun, sie leiden nicht wirklich.

Auf der Ostseite, zwischen McDonald’s und Post, hat sich seit dem Ende der Bauarbeiten die Situation entspannt; Andrang, Rangiererei und Verwirrung herrschen nur noch an Sonn- und Feiertagen, wenn viel gereist wird. Dann stehen Autos mit und ohne Fahrer, mit und ohne laufendem Motor kreuz und quer vor den Plätzen, auf denen ordentliche Bürger ihren Wagen gegen Gebühr abgestellt haben.

Übrigens verhandelt die Bahn mit der Stadt, um auch die parallel liegende Sandfläche als öffentlichen Parkplatz verwenden zu können. „Schwierig“, so Wenzel. Die restlichen Flächen vor und neben dem Empfangsgebäude sind allerdings entsprechend der seit langem vorangetriebenen Planung Straßenbahnen und Omnibussen vorbehalten.

Westlich des Bahnhofs wirkt das Park-and-ride-Parkhaus, da mittlerweile fast bis oben gefüllt, nicht wie Fehlplanung. Dem Sinn nach parken hier vor allem die, die das Auto für Stunden nicht brauchen. „Das sind jedenfalls jene, denen wir auf der Straße keine Plätze einräumen wollen“. Sagt Wenzel. Da soll es nur Kurzzeitparkplätze geben.

Aber was ist Kurzzeit? Die Besorgung einer Zeitung dauert laut Wenzel dafür schon zu lang. Kurzzeit ist die deutsche Form von Kiss and ride, wo man die Oma aus dem Fond klettern lässt und ihr das Köfferchen hinterherreicht. Kurzzeit sieht den Fahrer im oder am Wagen (und nicht im Bahnhof).

Gestern Vormittag bei einer Visite dieser Zeitung fanden solche Kurzzeitaufenthalte auf der Fahrbahn statt, unter Benützung des Blinkers. Oma steigt aus, kriegt Küsschen und Koffer, Auto braust weiter. Wie eigentlich überall in Europa.

Am Darmstädter Europaplatz freilich, das ist auch Wenzel klar, muss dieses Verhalten in Form gegossen werden. Und deshalb wird jetzt da, wo die Parkplätze wegfielen (nur auf der anderen Straßenseite) ein weißer Strich aufgemalt, hinter dem jeder konform zur kommunalen Ordnung anhalten und die Oma aus dem Auto lassen kann. Er sei, so Wenzel, zuversichtlich, dass darüber schon in der nächsten Sitzung des Bauausschusses Einvernehmen erzielt werde.
Quelle: Darmstädter-Echo
mfg Martin13