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Sonntag, 13. Februar 2011, 00:43

[KS] Deutschlandpremiere vor 20 Jahren: KVG schickte die ersten Niederflurtrams auf Linie

Zitat

Deutschlandpremiere vor 20 Jahren: KVG schickte die ersten Niederflurtrams auf Linie

4. Februar 1991: An diesem Tag und somit am Montag vor genau 20 Jahren, schrieb die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) Nahverkehrsgeschichte. Erstmals in Deutschland fuhr in Kassel eine in Serie hergestellte Niederflurstraßenbahn im regulären Linienbetrieb. Mit Tw 451 und Tw 452 hatte der Düsseldorfer Schienenfahrzeughersteller Duewag im Herbst 1990 die beiden ersten von insgesamt 15 bestellten Fahrzeugen geliefert. Der Stückpreis damals: rund 2,5 Millionen D-Mark.

Mit dem neuen Wagentyp in der damaligen „Hausfarbe“ himmelblau sorgte die KVG national und international für enormes Aufsehen: Zahlreiche Delegationen informierten sich in Kassel über „Die Straßenbahn“, wie das Nahverkehrsunternehmen seinen neuen Besitz stolz nannte, und etwa 1.500 Nahverkehrsexperten aus aller Welt reisten schon bald zu einem Kongress in die Fuldastadt, um sich über das „Wundergefährt“ - so wörtlich die Tageszeitung „Die Welt“ im April 1993 - auszutauschen. Die erfolgreichen Kasseler Praxistests waren Auslöser für eine Bestellungswelle in ganz Deutschland. Im September 1991 rollten bereits 15 Niederflurtrams im Kasseler Streckennetz, weitere zehn nahm die KVG 1994 in Betrieb.

Mittlerweile fährt die zweite Generation von Niederflurtrams bei der KVG und die dritte ist in Produktion: Zum Jahresende wird das Herstellerkonsortium Bombardier/Vossloh Kiepe die ersten von 18 neuen Niederflurbahnen nach Kassel liefern. Der Stückpreis heute: rund 2,5 Millionen Euro. Allerdings werden diese Bahnen noch mehr Komfort bieten, zum Beispiel eine Klimaanlage.

Klaus Bader, damaliger Chef der KVG-Fahrzeugflotte, hatte ab etwa 1987 die revolutionäre Technik gemeinsam mit den Ingenieuren der Firma Duewag zur Serienreife entwickelt. Einbezogen in den Entstehungsprozess waren auch verschiedene Kasseler Firmen wie etwa Hübner und Bode sowie Behindertengruppen, der Verband der Verkehrsbetriebe Deutschland (VDV) und weitere Beteiligte. Das Design gestaltete ein Team im Fachbereich Produktdesign der Kasseler Universität unter Leitung von Professor Horst Sommerlatte. Besonderheiten waren hier der Fahrzeugkopf mit großen, gut erkennbaren Zielanzeigen und die gelben Türen. An der Gestaltung des Fahrerarbeitsplatzes waren die Berufsgenossenschaft und interne Arbeitgruppen der KVG aus Betriebsrat, Betriebsarzt und Sicherheitsingenieur beteiligt.

Am Ende entstand aus der Arbeit Vieler ein vollkommen neuer Triebwagentyp ohne Einstiegsstufen und mit einem Niederfluranteil von 70 Prozent. Um in die Bahnen zu gelangen musste der Fahrgast nicht, wie bei den Hochflurfahrzeugen, eine Höhe von fast einem Meter erklimmen, sondern lediglich eine Differenz von 29 cm überwinden. In Kombination mit den zeitgleich in Kassel gebauten erhöhten Haltestellen schrumpfte der Unterschied auf maximal neun Zentimeter. Das Kasseler Niederflursystem war geboren.

„Man steigt nicht mehr in die Bahn, sondern geht“, fasste ein damaliger Beobachter den Gewinn für den Fahrgast zusammen. Jetzt konnten Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen bequem in die Tram gelangen. Doch freilich profitierten auch nicht in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen von dem völlig neuartigen Konzept, das den gesamten ÖPNV attraktiver werden ließ. Mittlerweile sind 95 Prozent der Tramhaltestellen barrierefrei, weitere werden umgebaut.

Die konsequente Weiterentwicklung der Niederflurtechnik für den regionalen Einsatz erfolgte zwischen den Jahren 2001 und 2004 bei den RegioTram-Fahrzeugen, ebenfalls unter maßgeblicher Beteiligung der KVG. So sind sämtliche 28 Elektro- und Dieselhybrid-RegioTrams der RBK (Regionalbahn Kassel GmbH), an der die KVG 50 Prozent hält, niederflurig.

Der Anteil bei den Straßenbahnen beträgt aktuell 81 Prozent. Wenn im Jahre 2013 die jüngst bestellten 18 neuen Trams über die Schienen rollen, fährt die KVG zu 100 Prozent mit Niederflurbahnen im Linienbetrieb. Da ebenfalls sämtliche Busse Niederflurfahrzeuge sind, ist der Umstellungsprozess dann abgeschlossen.

Quelle: KVG