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Headtallica

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  • »Headtallica« ist der Autor dieses Themas

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1

Donnerstag, 26. Juli 2018, 22:14

Nächster Halt: Stress im Nahverkehr (Doku)

Gleich vorab: ich bin mir nicht sicher, ob dieses Thema hier richtig ist - da sich aber ein Teil auch um die Zustände bei Viabus dreht, war meine Intension, dies hier zu posten. Sollte dies falsch sein, bitte verschieben.

Gerade habe ich nämlich eine Doku entdeckt: Das ZDF hat eine Dokumentation veröffentlicht, in der es um die Zustände im deutschen und auch hessischen Nahverkehr (und um die Umstände im Spessart) geht. Es werden auch schwere Vorwürfe gegenüber Viabus erhoben.
Avatar: Ex- MKK-RD 295 (Wagen 295) der RDG, jetzt isser wech :(

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Headtallica« (26. Juli 2018, 22:22)


Hajü

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2

Donnerstag, 26. Juli 2018, 22:58

Hatte due Dokumentation auch gesehen. Bei Viabus gibg es in erster Linie um die schon bekannten Chaoszustände auf den VAB-Linien 27, 28 und 29 im östlichen Kahlgrund. Die hatten einen Fahrer interviewt, der normal rund um Frankfurt fährt und nun ihne jegliche Einweisung und Streckenkenntnis die VAB-Linuen fahren soll. Dazu ging es noch um die allgemein fragwürdigen Zustände der eingesetzten Busse und nicht durchgeführte Reparaturen. Da ist auf jeden Fall was dran. Dass Klimaanlagen auch funktionstüchtig sind, grenzt schon an eine Seltenheit.
Es gibg aber auch um andere Gebiete in Deutschland und das Thema ÖPNV-Ausschreibungen allgemein.

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3

Freitag, 27. Juli 2018, 00:50

VGF und Hamburger Hochbahn hätten als gute Beispiele, wie man es richtig macht reingekonnt, die S-Bahn Rhein-Main hätte man noch an die Kölner Verkehrsbetriebe anschließen können. :D

Hier (Rhein-Main) wie da (Kölle) unzureichende Infrastruktur als Hauptursachen.

DaniDADI

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4

Freitag, 27. Juli 2018, 11:24

Ich finde als positives Beispiel hätte man ruhig den RMV reipacken können, weil er vergleichsweise groß ist und man damit fast überall hinkommt. Das beste wäre es nur noch den RMV zu haben für ganz Hessen und das deren Fahrkarten in allen Bussen und Bahn auch über das Verbundgebiet hinaus gültig sind. Also von Frankfurt mit der Bahn bis nach Koblenz, Bamberg, Würgburg, Aschaffenburg, Waldorf-Wiesloch, Mannheim, Saarbrücken, Kassel und so weiter.
Via Bus ist wiedermal ein Beispiel dafür, wie große böse Finanzdienstleister die Welt zerstören, deshalb finde ich sollte in jeder Ausschreibung drin stehen müssen, dass das ausfürende Unternehmen zu 100% deutsch sein muss, also dass das Unternehmen eigenständig sein muss und es nicht ein Teil von Ausländischen Unternehmen sein darf.

baeuchle

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5

Freitag, 27. Juli 2018, 12:25

Via Bus ist wiedermal ein Beispiel dafür, wie große böse Finanzdienstleister die Welt zerstören, deshalb finde ich sollte in jeder Ausschreibung drin stehen müssen, dass das ausfürende Unternehmen zu 100% deutsch sein muss, also dass das Unternehmen eigenständig sein muss und es nicht ein Teil von Ausländischen Unternehmen sein darf.
Bitte 5 Euro in die Nationalismuskasse. Sagst du grade ernsthaft, dass ein deutsches Unternehmen kein skrupelloser Finanzdienstleister sein kann, das die Welt für seine Profite zerstören würde?

Lukas

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6

Freitag, 27. Juli 2018, 13:02

Ich finde als positives Beispiel hätte man ruhig den RMV reipacken können, weil er vergleichsweise groß ist und man damit fast überall hinkommt. Das beste wäre es nur noch den RMV zu haben für ganz Hessen und das deren Fahrkarten in allen Bussen und Bahn auch über das Verbundgebiet hinaus gültig sind. Also von Frankfurt mit der Bahn bis nach Koblenz, Bamberg, Würgburg, Aschaffenburg, Waldorf-Wiesloch, Mannheim, Saarbrücken, Kassel und so weiter.
Nein, das wäre Schwachsinn. Besser wäre es, wenn man mit RMV-Fahrkarten zum Beispiel auch in größere Städte wie Aschaffenburg ohne Übergangstarife fahren könnte. Man könnte die kleineren Gemeinden in Südhessen an der Grenze zu Baden-Würtemberg aber auch noch in den RMV aufnehmen. Damit wären dann in Hessen nur noch zwei Verkehrsverbünde.

Wenn es darum geht, ein besseres Tarifsystem zu schaffen, wäre es besser, Verkehrsverbünde mit kleinen Flächen zu größeren Verkehrsverbünden zusammenzufassen. Im Video wurde erklärt, dass es deutschlandweit 60 Verkehrsverbünde gibt, wovon alleine in Baden-Würtemberg 22 sind, während es in Hessen nur drei und in Berlin und Brandenburg nur einen gibt. So würde man einfacher von A nach B mit einem Fahrschein kommen und das System ist für den Kunden einfacher.

7

Freitag, 27. Juli 2018, 14:35

Ich finde als positives Beispiel hätte man ruhig den RMV reipacken können,


Gefühlt ist der RMV aber der Verkehrsverbund mit den meisten Ausnahmen und Sonderregelungen.

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8

Freitag, 27. Juli 2018, 15:18

Zitat

Ich finde als positives Beispiel hätte man ruhig den RMV reipacken können,

Der schafft die komplzierte Tarifsituation, die im Bericht zwischen 3 Verbünden in Baden-Württemberg geschildert wurde, auch alleine.

Alleine die Unmöglichkeit, mir für ein oder mehrere beliebige/s Tarifgebiet/e im Vorverkauf eine Tageskarte zu kaufen, passt bestens dazu. Ich habe z.B. eine Jahreskarte für Frankfurt (Tg 50). Ich kann eben nicht zur Leipziger Straße gehen und mir dort eine Tageskarte für die Tg. 65 / 66 kaufen. Richtung Osten funktioniert es, weil ich da z.B. mit der S 1 bis Kaiserlei fahren kann und mir dort eine Tageskarte für Offenbach / Hanau kaufen kann. Dazu brauche ich aber genaue Tarif- und Netzkenntnisse und muss wissen, welche der 3 Bahnen genau 5 Minuten vor der S 8 ode S9 nach Hanau kommt, damit ich genug Zeit habe, meine Tageskarte zu kaufen.

Die Reihe ließe sich durchaus fortsetzen. Besonders ärgerlich ist das komplizierte Tarif-Wirrwarr, da als Folge des internationalen Flughafens und diverser Messen sich überdurchschnittlich viele ausländische Besucher im Rhein-Main-Gebiet aufhalten. Da ich schon als Deutscher und als Nahverkehrsfan Schwierigkeiten habe, den Tarif in allen Feinheiten zu begreifen, wie soll es dann anderen gehen ???

Ich will aber nicht verhehlen, dass es positive Ansätze gibt. Aber damit zieht Rhein-Main nur mit anderen Regionen wie Hamburg und Berlin gleich.

Uli Nobbe

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9

Freitag, 27. Juli 2018, 15:22

Bitte 5 Euro in die Nationalismuskasse.

:D :D :D

(...) sollte in jeder Ausschreibung drin stehen müssen, dass das ausfürende Unternehmen zu 100% deutsch sein muss, also dass das Unternehmen eigenständig sein muss und es nicht ein Teil von Ausländischen Unternehmen sein darf.

Na klar. Und die Fahrer müssen mindestens in der dritten Generation Deutsche sein. Fahrerinnen werden nur zugelassen, wenn eine schriftliche Erlaubnis des Ehemannes vorliegt. Sie müssen zuvor aber mindestens zwei Kinder zur Welt gebracht haben (deutsche, natürlich!), die Kinder müssen eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können, das Elternhaus verlassen haben sowie finanziell auf eigenen Füßen stehen. Andernfalls würde die Frau ja ihre Pflichten als Mutter und deutsche Gebärmaschine verletzen.

Schüler, 21 Jahre (lt. Profil). So so. Und im Skype-Namen was von Airbus drin stehen haben, ein natürlich rein deutsches Unternehmen.
Auf so was steh' ich ja. :rolleyes:

Uli Nobbe

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10

Freitag, 27. Juli 2018, 15:32

Alleine die Unmöglichkeit, mir für ein oder mehrere beliebige/s Tarifgebiet/e im Vorverkauf eine Tageskarte zu kaufen, passt bestens dazu. Ich habe z.B. eine Jahreskarte für Frankfurt (Tg 50). Ich kann eben nicht zur Leipziger Straße gehen und mir dort eine Tageskarte für die Tg. 65 / 66 kaufen. Richtung Osten funktioniert es, weil ich da z.B. mit der S 1 bis Kaiserlei fahren kann und mir dort eine Tageskarte für Offenbach / Hanau kaufen kann. Dazu brauche ich aber genaue Tarif- und Netzkenntnisse und muss wissen, welche der 3 Bahnen genau 5 Minuten vor der S 8 ode S9 nach Hanau kommt, damit ich genug Zeit habe, meine Tageskarte zu kaufen.
... und wo am Bahnsteig der Automat steht (was am Kaiserlei ziemlich doof sein kann, vor allem wenn einer der beiden kaputt ist). :D

Du schreibst mir (wieder mal) aus der Seele. :thumbup:

Dein Beispiel funktioniert aber auch Richtung WI / MZ, mit dem Flughafen. Als Schlaubi kaufe ich mir die Tageskarte von 5090 nach 6500 über 3700 regelmäßig vorab an den Serviceschaltern. Die kennen das schon.
Richtung Süden ist Louisa da leider nicht ganz so attraktiv (nur S3 und S4), aber prinzipiell ist das alles irgendwie gleich doof. Ich kann am Automaten meinen Startpunkt einfach nicht frei definieren. Über Online-Tickets brauchen wir da gar nicht erst zu reden, fürchte ich.

9122_DA

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11

Freitag, 27. Juli 2018, 17:43

(...) sollte in jeder Ausschreibung drin stehen müssen, dass das ausfürende Unternehmen zu 100% deutsch sein muss, also dass das Unternehmen eigenständig sein muss und es nicht ein Teil von Ausländischen Unternehmen sein darf.

Na klar. Und die Fahrer müssen mindestens in der dritten Generation Deutsche sein. Fahrerinnen werden nur zugelassen, wenn eine schriftliche Erlaubnis des Ehemannes vorliegt. Sie müssen zuvor aber mindestens zwei Kinder zur Welt gebracht haben (deutsche, natürlich!), die Kinder müssen eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können, das Elternhaus verlassen haben sowie finanziell auf eigenen Füßen stehen. Andernfalls würde die Frau ja ihre Pflichten als Mutter und deutsche Gebärmaschine verletzen.

Schüler, 21 Jahre (lt. Profil). So so. Und im Skype-Namen was von Airbus drin stehen haben, ein natürlich rein deutsches Unternehmen.
Auf so was steh' ich ja. :rolleyes:


Und wenn man dachte, der Schwachsinn wäre nichtmehr zu toppen, kommt jemand und dichtet noch so etwas dazu... Wo steht denn etwas davon, dass es sich auf die Mitarbeiter bezieht? Aber man kann ja überall etwas Böses rauslesen, fehlt nurnoch die Rassismus-Keule. :thumbdown:
Gruß Marius :wacko:

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12

Freitag, 27. Juli 2018, 17:46

Im Kern des Beitrages geht es ja um die Ökonomie, die eigentlich bei jedem Einzelnen von uns anfängt:
Wie komme ich möglichst billig, und dann erst zuverlässig von A nach B.
Ich erinnere mich noch, als ich bei UOB Lang gewesen bin, an das Paradoxum des Untergangs von Wehnert ETI...
Die Gelben, die Massenhaft die Roten aus dem Frankfurter Süden verbannten...
Als quasi von heute auf morgen deren Betrieb dann zusammenbrach, waren wir (UOB und andere regionale Verkehrsversorger) für die Kommune gut genug, einen Notbetrieb aufrecht zu erhalten, bei der folgenden Ausschreibung dann aber natürlich raus waren...
Ein schottisches Konsortium, welches vorab ein Unternehmen aus Speyer vereinnahmte, gewann diese...
Das mittlerweile alltäglich Absurde dann:
Wir (bei der Ausschreibung ausgeschieden) fuhren dann als Subunternehmer für dieses Konsortium, das musste ich mir damals erst mal gaaanz langsam auf der Zunge zergehen lassen...

Ich denke, dieser Ausschreibungswahnsinn, siehe auch zBsp. der "T-Wagen", zerstört ganze regionale Infrastrukturen, ich muss doch auch nicht "ausschreiben", wenn ich eine Dose Ravioli möchte, bei wem ich denn diese einkaufen werde.
Für wen oder was werden denn demokratisch Volksvertreter gewählt, wenn diese nicht mal nationale Interessen vertreten und frei in unserem Sinne auch durchsetzen dürfen?
Ich bin grundsätzlich Europäer, aber ich brauche keinen schottischen oder britischen Busbetreiber hier, oder meinetwegen französische Triebwagen, genausowenig, wie die unsere...

Ein vernetztes Know-how, auf jeden Fall, und wenn ein deutsches Unternehmen ausländische Produkte kauft ( und natürlich auch umgekehrt) dann ist das ja vollkommen legitim, es sollte nur strukturorientiert, nicht preisorientiert, da liegt mE der Hase im Pfeffer...

Mein Schwiegervater war früher mal Busfahrer bei den Stadwerken, in Rebstock...
Gibt es heute noch Busfahrer bei der VGF...? ?(
MfG Streckentrenner

13

Freitag, 27. Juli 2018, 19:11

Wobei da Hessen auch bundesweit negativ hervorsticht meiner Meinung nach. In dieser krassen turbokapitalistischen Form, wie das hier im RMV organisiert ist, hab ich das noch nirgendwo anders erlebt. In Thüringen und Sachsen z.B. sind die Unternehmen in der Regel immer in kommunaler Hand.

14

Freitag, 27. Juli 2018, 19:37


Ich denke, dieser Ausschreibungswahnsinn, siehe auch zBsp. der "T-Wagen", zerstört ganze regionale Infrastrukturen, ich muss doch auch nicht "ausschreiben", wenn ich eine Dose Ravioli möchte, bei wem ich denn diese einkaufen werde.

Es ist schon seit rd. 150 Jahren so, dass öffentliche Aufträge, Konzessionen und Geschäftsgelegenheiten öffentlcih ausgeschrieben wurden, Bauaufträge, Handwerkerleistungen, Versteigerungen für Holz aus öffentlichen Wäldern usw. Es ist eben ein Unterschied, ob Du persönlich eine Dose Ravioli kaufst oder ob die öffentliche Hand millionenschwere Aufträge vergibt. Die Entscheidung für oder den einen oder gegen den anderen Marktteilnehmer/Wettbewerber ist insofern grundrechtsrelevant, als sie die nicht beauftragten Wettbewerber ausschließt. Das lässt sich nicht vermeiden, aber man kann schon erwarten, dass solche Entscheidungsprozesse transparent gestaltet, an sachlichen Erwägungen orientiert werden und die Ergebnisse überprüfbar sind; das ist ein rechtsstaatliches Muss. Regionale Infrastrukturen gehen zu allerletzt an Wettbewerbsregeln zugrunde, der technische Wandel, der wissenschaftliche Fortschritt sind viel eher die Triebkräfte gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen. Regionale Infrastrukturen gehen an unternehmerischen Fehlentscheidungen viel eher zugrunde als an den Regeln des europäischen Wettbewerbs- oder Beihilferechts. Die E-Mobilität z.B. bedroht massivst regionale Strukturen im Fahrzeugbau, weil Elektroautos keine aufwändigen Motoren und Getriebe benötigen.

Für wen oder was werden denn demokratisch Volksvertreter gewählt, wenn diese nicht mal nationale Interessen vertreten und frei in unserem Sinne auch durchsetzen dürfen?

Was ist denn in unserem Sinn? Ist in meinem Sinn auch immer das, was in Deinem Sinn ist? Du suggerierst, bestimmte Beschaffungsentscheidungen, wie z.B. für den T-Wagen, seien nicht im nationalen interesse; aber was ist nationales Interesse? Die Volksvertreter, die die seinerzeit die europäischen Verträge unterschrieben haben, das Kartell- und Wettbewerbsrecht verabschiedet haben, waren nicht demokratisch gewählt?


Ich bin grundsätzlich Europäer, aber ich brauche keinen schottischen oder britischen Busbetreiber hier, oder meinetwegen französische Triebwagen, genausowenig, wie die unsere...

Ein fataler Irrtum! Deutschland wäre nicht der Industriestandort, der es ist, wenn alle so dächten. Es dürfte sich ja inzwischen rumgesprochen haben, dass abgeschottete Märkte nicht funktionieren und keine Lösung sind. Und überhaupt: was ist denn ein französischer Triebwagen. Ich vermute mal, dass der T-Wagen, der in Katalonien gebaut wird, ungefähr so französisch ist wie ein BMW, der in Alabama hergestellt wird, deutsch ist. Die internationale Arbeitsteilung, die sich in komplexen Lieferketten widerspiegelt, ist im Bahnsektor nicht geringer als im Flugzeug- oder Fahrzeugbau.

15

Freitag, 27. Juli 2018, 20:01

Deutschland ist Exportweltmeister (Oder zumindest zweiter, bin mir gerade nicht sicher, wie es mit den Chinesen inzwischen aussieht). Wir exportieren mehr, als wir im Ausland kaufen. D.h. immer mehr Geld wandert aus dem Ausland nach Deutschland. Und zwar inzwischen in einem Ausmaß, das kritisch ist. Wenn das ganze Geld in Deutschland landet, wie soll dann das Ausland noch bei uns einkaufen? Es ist überhaupt nicht im deutschen Interesse, nur in Deutschland zu kaufen. Das würde unsere gesamte Wirtschaft schädigen, und damit auch die regionalen Strukturen zerstören, die oben ja mit Protektionismus geschützt werden sollten.

Außerdem - Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn man nur zwischen ein oder zwei regionalen Anbietern auswählen sollte, welchen Anreiz gäbe es dann, besser zu werden? Entwicklung kostet Geld. Wenn ich mir sicher bin, dass der RMV auch nächstes Jahr bei mir kauft, was soll ich mir dann Mühe geben?

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16

Freitag, 27. Juli 2018, 20:04

@tunnellick

DAS ist genau der Punkt:
Warum muss denn ein französischer Triebwagen in Katalonien, ein Tourino in Portugal oder ein Travego in der Türkei gebaut werden, um ihn dann als augenscheinlich deutsches Produkt in Deutschland und international an den Mann zu bringen?
Nochmal:
Ich stelle nicht die Qualität in Frage, aber die Preistreiberei bei dem ganzen Outsourcing, immer mehr Menschen sollen bei weniger Beschäftigung und sinkendem Einkommen immer mehr konsumieren, das ist das, was ich an der Ausschreibungspolitik verurteile...
MfG Streckentrenner

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Streckentrenner« (27. Juli 2018, 20:05)


17

Freitag, 27. Juli 2018, 20:43

Zitat

Außerdem - Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn man nur zwischen ein oder zwei regionalen Anbietern auswählen sollte, welchen Anreiz gäbe es dann, besser zu werden? Entwicklung kostet Geld. Wenn ich mir sicher bin, dass der RMV auch nächstes Jahr bei mir kauft, was soll ich mir dann Mühe geben?


Irrglaube. Konkurrenz hat im Nahverkehr nix zu suchen, es ist eine öffentliche Darseinfürsorge. Alleine das Chaos im Busverkehr in Frankfurt: für die Leitstelle, für die Fahrgäste und Co.
Der Stadtverkehr in Städten über 70.000 Einwohner gehöhrt in kommunale Hand, die Bahn gehört zurück zur Bundesbahn umgewandelt und der regionale Busverkehr gehört dem Bahnbus/ Regiobus. Es muss endlich Schluss sein mit den Ausschreibungen, es werden Profite auf dem Rücken der Fahrer gemacht und am Ende auch auf dem Rücken der Fahrgäste.

Beispiel Depot Höchst: ca. 300 Kollegen verloren ihren Job oder mussten nach sonst wo verliehen werden. Oder schlimmer: bei der damaligen BVH anfangen.

Es ist einfach nur noch schlimm geworden, die Fahrer sind frustriert und die Fahrgäste verstehen die Welt nicht mehr. Aber nur weiter so mit irgendwelchen Handelsverträgen, dann schafft sich die öffentliche Hand selber ab. Nur die besten Kühe wählen sich ihren Schlachter selber...

Uli Nobbe

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18

Freitag, 27. Juli 2018, 21:15

Und wenn man dachte, der Schwachsinn wäre nichtmehr zu toppen, kommt jemand und dichtet noch so etwas dazu
Zunächst einmal lässt die Konzentration auf ...
100% deutsch
... relativ wenig Spielraum für Hinzudichtungen. Das ist schon recht eindeutig; der Rest ist ein konsequentes Weiterdenken einer etwas leichtfüßig in den Raum geworfenen Bemerkung.

Allerdings bedarf es, um die sarkastisch überhöhte Darstellung auch wirklich als solche zu erkennen, einer gewissen Grundintelligenz, die ich jedoch als gegeben betrachte.

Während z.B. Streckentrenner und ich in etwa einer Altersklasse liegen, ist DaniDADI mit seinem 1997er Jahrgang (so steht's im Profil) deutlich unerfahrener. Er kann halt nichts dafür - und das ist auch kein Vorwurf -, dass er weder die Entstehung Europas, wie wir es heute kennen, miterlebt hat (bzw. die Zeit davor) und auch keine zwei durch einen Grenzzaun getrennte deutsche Staaten kennt. Er kennt keinen FVV und auch keine z.T. absurden Verkehrsrelationen. Er hat den durchaus beneidenswerten Vorteil, in einer digitalen Welt des großzügigen Informationsflusses und -austauschs groß geworden zu sein, mit einer Freizügigkeit von Waren, Dienstleistungen, Menschen und ihren Arbeitsleistungen sowie natürlich auch dem dazugehörigen Geld. Das alles beruht auf dem, was seine Eltern und Großeltern in den letzten Jahrzehnten im Herzen Europas mit gestaltet haben.

Das bringt natürlich auch Nachteile mit sich. Ich habe ja selber erleben dürfen, wie sich Unternehmen vom großen Konzern in lauter kleine Einheiten selbst zerlegten oder zerlegt wurden (es war die Zeit, als die Betriebswirte die Techniker aus der Unternehmensführung verdrängten). Ich habe selber ordentliche Rückschläge einstecken dürfen. Dennoch sehe ich, insgesamt, Vorteile. Dass es für verschiedene Branchen ziemlich übel aussieht, bestreite ich ja gar nicht. Aber ihr könnt denen, die sich am Markt aggressiv verhalten, das nicht vorhalten: Einerseits haben deutsche Unternehmen ebenso aggressiv bei den Nachbarn geplündert und sich daran bereichert und auch die meisten von uns würden sich, im Kleinen betrachtet, vermutlich nicht anders verhalten. Würden wir RMV'ler in einer Grenzregion wohnen, könnte ich es vielleicht leichter veranschaulichen.

Dieser Exkurs bringt mich zu den Ausschreibungen: Ja, das kann - lokal betrachtet - ganz schön nervig sein. Umgekehrt aber ermöglicht es so aber auch einem Mittelständler aus Deutschland, im Nachbarland Fuß zu fassen und so zu expandieren. Oder zu scheitern. Umgekehrt mag das mit dänischen Anbietern in Deutschland sein. Und vermutlich bin ich hier im Forum der einzige User, der noch nicht mit Ryanair geflogen ist (übrigens einem Paradestück des Turbokapitalismus, wie es weiter oben irgendwo so treffend hieß). Und bitte glaubt im übrigen bloß nicht, dass Amazon oder Starbucks bekennende europäische Unternehmen sind - von deutschen gar zu schweigen!
- So, jetzt dürfte ich wahrscheinlich jedem Foristen hier auf den Fuß getreten sein. 8) -

Der Denkfehler lautet:
Outsourcing ist nicht die Folge einer erweiterten Ausschreibungspolitik. Das gab's schon lange vorher. Ausschreibungen verschärfen es auch nicht. Der Kostendruck ist es: Entweder verschreibt man ihn sich selbst, oder er ist real vorhanden (Innen- und Außensicht). Wir wollen einerseits keine Monopole und auch keine Oligopole und schon gar keine überhöhten Preise zahlen, umgekehrt aber tun wir uns äußerst schwer damit, faire Preise für ordentliche Arbeit zu zahlen. Im Wettbewerb um die Zuschläge und damit die Existenzsicherung des Unternehmens ist die Teilnahme an Ausschreibungen eben ein höllischer Eiertanz. Niemand legt sich fest einen großen Personalstamm zu, wenn er noch nicht weiß, ob er einen Auftrag bekommt. Das ist überall so!

Natürlich kann ich einen abgeschotteten Markt fordern, der anderen Marktteilnehmern den Zugang zu selbigen verwehrt. Dann muss ich aber auch mit den Konsequenzen leben - und wer nun mal nach den 1990er Jahren groß geworden ist, hat einfach nicht die nötigen Erfahrungen. Dazu gehört dann allerdings auch ein gewisses Maß an Dankbarkeit und Respekt.

Dann noch einen Ausflug in die Historie für den Streckentrenner:
Wäre es zu viel verlangt, wenn Du Dir die Wikipedia-Artikel zur VGF und der ICB durchliest? Beide haben interessante Entwicklungen erfahren. Nach meinem Verständnis ist die Ex-Tochtergesellschaft der VGF nunmehr gleichberechtigt neben ihr in der Stadtwerke Holding positioniert; inwiefern das Auswirkungen auf Tarifverträge und Entlohnung hat, entzieht sich meiner Kenntnis (auch hier: Kostenstrukturen -> Betriebswirte).
Der Gag ist doch ein anderer: Neben der ICB fuhrwerken noch andere Anbieter in Frankfurt herum. Hier fließt zwar kein Geld aus Deutschland ab, allerdings bleibt wenig(er) an den Arbeitnehmern hängen. Ich könnte jedenfalls nicht zweifelsfrei behaupten, dass regionale Strukturen zerstört würden. Du vielleicht?

Ja, vielleicht könnten wir wieder kleine Protektorate in unseren Fürstentümern aufbauen; zu einem gewissen Teil lässt das europäische Recht das sogar zu.
Aber bitte kauft euren Strom und das Gas dann auch nicht bei externen Anbietern.

Dieser Text war, wieder einmal, mit einer Prise Sarkasmus gewürzt. Für all' diejenigen, die.... na ja. 8)

19

Freitag, 27. Juli 2018, 23:23

@tunnellick

DAS ist genau der Punkt:
Warum muss denn ein französischer Triebwagen in Katalonien, ein Tourino in Portugal oder ein Travego in der Türkei gebaut werden, um ihn dann als augenscheinlich deutsches Produkt in Deutschland und international an den Mann zu bringen?


Warum ist es wichtig, ist es Dir wichtig, eine Straßenbahn als deutsch oder französisch zu bezeichnen. Es reicht doch, sie als ein Produkt von Bombardier oder Alstom zu kennzeichnen, ist doch völlig wurscht, woher die kommen. Wofür soll es gut sein, ein Produkt mit einer Nationalität zu versehen?

20

Samstag, 28. Juli 2018, 00:12

Zitat

Außerdem - Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn man nur zwischen ein oder zwei regionalen Anbietern auswählen sollte, welchen Anreiz gäbe es dann, besser zu werden? Entwicklung kostet Geld. Wenn ich mir sicher bin, dass der RMV auch nächstes Jahr bei mir kauft, was soll ich mir dann Mühe geben?


Irrglaube. Konkurrenz hat im Nahverkehr nix zu suchen, es ist eine öffentliche Darseinfürsorge. Alleine das Chaos im Busverkehr in Frankfurt: für die Leitstelle, für die Fahrgäste und Co.
Der Stadtverkehr in Städten über 70.000 Einwohner gehöhrt in kommunale Hand, die Bahn gehört zurück zur Bundesbahn umgewandelt und der regionale Busverkehr gehört dem Bahnbus/ Regiobus. ....

Sorry, da habe ich den Bezug nicht klar dargestellt. Ich bezog mich auf die Ausschreibung der T-Wagen oder generell des "Materials". Bei allem, was "Infrastruktur" ist, bin ich eher bei Dir. Seien es Straßen, Schienen, Telekkommunikationsleitungen, Stromnetze (Oh, da ist die öffentliche Hand ja gerade aufgewacht, als die Chinesen 50 Hz kaufen wollten), Wasserleitungen (PPP, oh weh), so etwas gehört im Sinne des Gemeinwohls und nicht des Profits betrieben.