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Mittwoch, 1. August 2018, 15:09

Hitze: Wie die VGF ihren Betrieb zu sichern versucht

Zitat

Hitze: Wie die VGF ihren Betrieb zu sichern versucht
Ob Oberleitung, Gleise oder Steuerungsrechner - viele Einrichtungen der VGF können durch die anhaltende Hitze Schaden nehmen. Manchmal kann aber schon ein Eimer Farbe helfen.


Die anhaltende Hitze setzt nicht nur Mensch und Tier zu, sondern auch technischen Einrichtungen der VGF. Zum Beispiel den Oberleitungen, deren Kupferdraht sich dehnt, was die mechanische Spannung lösen kann. Am Montagnachmittag fuhr eine U-Bahn in Heddernheim in eine aus diesem Grund nicht mehr akkurat gespannte Leitung und beschädigte dabei nicht nur dieselbe, sondern auch die eigenen Stromabnehmer. Die folgenden Reparatur-Arbeiten sind aufwendig und können mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Oberleitung

Der Oberleitungsbau der VGF fährt deshalb seit Wochenbeginn Sonderschichten. Auch Mitarbeiter aus der Verwaltung und dem technischen Büro wurden rekrutiert, um wieder auf der Strecke zu arbeiten. Drei Turmwagen sind mit ihrer drei Mann Besatzung Tag und Nacht im Einsatz, um die Oberleitung entlang des 65 Kilometer langen U-Bahnnetzes zu kontrollieren und bei Bedarf nach zu justieren. 14 Stellen im Oberleitungsnetz, an denen das nötig ist, hat die VGF kurzfristig lokalisiert, alleine in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erfolgten diese Arbeiten an sechs Punkten, wobei stark befahrene Abschnitte wie die „A-Strecke“ (U1, U2, U3 und U8) Priorität genießen. Im Laufe des Mittwochs werden diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Zusätzlich zu diesen Kontrollen und Arbeiten, hat die VGF vorsichtshalber die Höchstgeschwindigkeit der U- und Straßenbahnzüge auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Gleise

Nicht nur der Fahrdraht dehnt sich, auch der Stahl der Gleise reagiert auf die anhaltende Hitze, nämlich mit einer „Gleisverdrückung“. Hierbei verschiebt sich der Gleisrost – also Gleis und Schwelle – um wenige Zentimeter. Ein 65 Kilometer langes Gleisnetz kann nicht gleichzeitig und flächendeckend überwacht werden, gemeldet wird das deshalb meist von Fahrerinnen und Fahrern, die die daraus resultierenden Beeinträchtigungen bei der Befahrung der Strecke bemerken. Unmittelbarer „Feind“ des Gleises ist hier der Schotter um Gleisbett. Der Basalt speichert in Folge der andauernden Sonneneinstrahlung die Wärme, was dazu führt, daß die VGF nachmittags Temperaturen von 55 bis 60 Grad im Gleis misst. Abhilfe in Form von Abkühlung schafft dann die Bewässerung der belasteten Gleisstelle durch ein Spezialfahrzeug, das die VGF am späten Nachmittag, wenn die Temperaturen am höchsten sind, einsetzt.

Der Gleisbau kennt natürlich die Stellen im Netz, die potentiell von einer Gleisverdrückung betroffen sein können und kontrolliert hier bevorzugt. Eine dieser Stellen ist die Kurve vor der Station „Weißer Stein“, aber diese ist zurzeit unauffällig. Anders als in Nähe der „Station „Fischstein“, wo das Gleis gewässert werden muß.

Stellwerke

Auch andere betriebstechnische Einrichtungen sind von der Hitze betroffen, zum Beispiel die Stellwerke entlang der Strecken. Untergebracht sind sie in unauffälligen, schmucklosen Gebäuden, etwa von der Größe einer kleinen Garage. 26 Grad Raumtemperatur sind für die Server in diesen Stellwerken ideal. Die Geräte steigen bei Temperaturen oberhalb nicht automatisch aus, Ausfälle von Stellwerken wegen zu hoher Hitze gab es daher noch nicht. Trotzdem muß die VGF gewährleisten, daß das auch weiterhin nicht geschieht. Um die ideale Arbeitstemperatur auch bei anhaltender Hitze zu sichern, müssen einige Stellwerke mit Klimaanlagen nachgerüstet werden. Dieses Projekt läuft nicht erst seit diesem Sommer, sondern wurde schon früher aufgesetzt. Kurzfristig, Ende Juni, wurde ein Stellewerk an der Hauptwache nachgerüstet, eine weitere Nachrüstung steht für das Stellwerk in Bad Homburg Gonzenheim auf dem Programm.

Weichen-Steuerschränke

Straßenbahnweichen werden ebenfalls mit Rechnern gesteuert. Sie sind in kleinen Schränken untergebracht, die sich an mehreren Stellen im Stadtgebiet finden. Das Problem: sie sind mitunter in edlem Dunkelgrau gestrichen und heizen so ordentlich auf. 60 Grad vertragen die Rechner im Inneren, an einzelnen Baugruppen hat die VGF aber mitunter 62 bis 63 Grad gemessen – trotz der vorhandenen Lüftung der Schränke. Daher werden sechs dieser Schränke entlang von Stresemannallee und Mörfelder Landstraße im Lauf des morgigen Tages weiß gestrichen.

Gänzlich verhindern lassen sich Einflüsse des Wetters auf den Betrieb von U- und Straßenbahnen nicht – weder im Sommer, noch im Winter. Schon gar nicht, wenn es sich um extreme Wetterlagen handelt. Die eine oder andere Schwachstelle – etwa die für das Stadtbild schicke dunkle Farbe der Steuerschränke – hat sich auch erst im Zuge der anhaltenden Hitze gezeigt. Eine Gleisverdrückung ist z.B. eher selten, die normale Temperatur-Spanne, die Gleisanlagen folgenlos aushalten, liegt zwischen –10 und 30 Grad. Die Temperaturen der vergangenen Wochen lagen aber durchgängig oberhalb der 30 Grad. Auch der Verlust der mechanischen Spannung der Oberleitung ist nicht Folge eines einzigen heißen Tages, sondern der kontinuierlichen Hitze.
Quelle: Presseinformation VGF
Gruß Tommy

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Mittwoch, 1. August 2018, 19:31

Drei Turmwagen sind mit ihrer drei Mann Besatzung Tag und Nacht im Einsatz, um die Oberleitung entlang des 65 Kilometer langen U-Bahnnetzes zu kontrollieren und bei Bedarf nach zu justieren.

Wobei vermutlich tagsüber ohne Einsatz des Turms nur von unten geschaut wird und dann in der Betriebspause mit Turm an der Oberleitung gearbeitet wird, oder?

D.h., man kann zur Zeit tagsüber gut Sonderfahrzeuge im Einsatz erwischen. Bitte stellt doch Fotos von den Wagen hier ein, wenn Ihr diese erwischt.
Von den rot-weißen wünsch ich mir:
RIS: Erst 1, dann 2, dann 3, dann 4
und dann steh ich mit (max.) +5 (Min.) vor der Tür!

3

Donnerstag, 2. August 2018, 22:15

Das Problem: sie sind mitunter in edlem Dunkelgrau gestrichen und heizen so ordentlich auf. 60 Grad vertragen die Rechner im Inneren

Nur zur Info:
Es gibt Rechnerbauteile, die bis zu 100 Grad vertragen. Dies hängt vom Einsatzzweck ab.
Von den rot-weißen wünsch ich mir:
RIS: Erst 1, dann 2, dann 3, dann 4
und dann steh ich mit (max.) +5 (Min.) vor der Tür!

K-Wagen

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4

Donnerstag, 2. August 2018, 23:57

SoundOfN1:

Zitat

Wobei vermutlich tagsüber ohne Einsatz des Turms nur von unten geschaut wird

Nö, in dem Bericht in der Hessenschau zu durch die Dauerhitze verursachten Herausforderungen, denen sich die VGF zu stellen hat,war der Oberleitungstrupp tagsüber auf dem Turmwagen zugange und hat munter Tragseil nachgespannt.
Der Die Gleise (Fuß und Steg) des Bogens vor der Station Fischstein haben einen weißen Anstrich erhalten.
http://www.ginnheimer-kurve.de

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5

Freitag, 3. August 2018, 07:47

Tragseil? Das müsste eigentlich der Fahrdraht selber gewesen sein.

K-Wagen

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6

Freitag, 3. August 2018, 08:17

Condor:

Zitat

Tragseil? Das müsste eigentlich der Fahrdraht selber gewesen sein.

In den 3 Sekunden sah es für mich aus wie das Tragseil. Fahrdraht konnte ich mir unter laufendem Verkehr auch schlecht vorstellen.
Aber ein Blick in die Mediathek klärt das Rätsel bestimmt auf.
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7

Freitag, 3. August 2018, 09:30

Tragseil am Hauptbahnhof?
Zeig mir das mal?
Das ist Fahrleitung, bzw. die Abspannung davon.

Die Turmwagen und der Steiger sind Tag und Nacht im Einsatz, da die Fahrzeuge isoliert aufgebaut sind, ist ein Arbeiten während des Betriebs kein Problem.
Das Schicksal mischt die Karten - und wir spielen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »BOWLXAM« (3. August 2018, 09:32)


8

Freitag, 3. August 2018, 09:34

Die Abspannung der Fahrdrähte ist ja im/am Mast.
Die langen Tragseile, gerade an den größeren Kreuzungen, dehnen sich aber aus aus. Gar nicht so abwegig, das die ebenfalls bearbeitet werden müssen .

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9

Freitag, 3. August 2018, 10:37

[...]
Die Turmwagen und der Steiger sind Tag und Nacht im Einsatz, da die Fahrzeuge isoliert aufgebaut sind, ist ein Arbeiten während des Betriebs kein Problem.


So ist es. Für die, die das wundert: ein Vogel auf einer Hochspannungsleitung stirbt auch nicht, weil kein Strom fließen kann. Wenn die Arbeitsplattform entsprechend isoliert ist, können die Arbeitenden auch an die unter Spannung stehenden Fahrleitungsabschnitte, ohne dass sie eine elektrischen Schlag bekommen - so wie der Vogel auf der Hochspannungsleitung.

K-Wagen

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10

Freitag, 3. August 2018, 13:16

BOWLXAM:

Zitat

Die Turmwagen und der Steiger sind Tag und Nacht im Einsatz, da die Fahrzeuge isoliert aufgebaut sind, ist ein Arbeiten während des Betriebs kein Problem.

Das ist mir durchaus bewusst. Nur das Spannwerkzeug am Fahrdraht angesetzt, dürfte einem Stromabnehmer nicht gefallen, daher nahm ich an, dass das Tragseil bearbeitet wurde um den Betrieb nicht zu behindern. Die Stelle im Netz hatte ich nun nicht erkannt.
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11

Freitag, 3. August 2018, 13:40

Der von @K-Wagen unter #4 erwähnte Hessenschau-Beitrag: klick

K-Wagen

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12

Freitag, 3. August 2018, 15:15

Ich hatte mich ja gefragt und auch schon mal hier im Forum, warum in italienischen Bahnhöfen der Schotter weiß übertüncht ist:

Hier Salerno. Möglicherweise ist die Erklärung ja ganz einfach,- dass sich der schotter nicht aufheizt und die Temperaturen an den Bahnsteigen erträglich bleiben.
Das hatten wir halt bis jetzt nicht nötig, dank moderaterer Temperaturen.
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Freitag, 3. August 2018, 17:57

Ich hatte mich ja gefragt und auch schon mal hier im Forum, warum in italienischen Bahnhöfen der Schotter weiß übertüncht ist:

Unterscheide zwischen dem weißen Schotter und den weißen Gleisen.

Der Schotter wird im Bahnsteigbereich gekalkt, um die bei den hohen Temperaturen entstehenden hygienischen Probleme durch offene Toilettensysteme zu reduzieren.
Hier in Chiusi Chianciano Terme, wo ich im Moment gerade rumsitze und auf den Anschluss warte, ist der Schotter derzeit aber praktisch blank.

Die Schienen hingegen sind weiß gestrichen, um die Ausdehnung zu verringern. Hier allerdings frage ich mich, warum das nur die Italiener machen. In Spanien wird es ähnlich heiß und trotzdem verbaut die RENFE bzw. ADIF die Schienen normal. Oder man geht dort per se von einer höheren Grundtemperatur aus und wählt eine passende Vorspannung der Gleise. Wobei das wieder Probleme mit niedrigen Temperaturen gibt, die in Spanien im Winter gerade im Landesinneren durchaus auftreten können.

14

Freitag, 3. August 2018, 18:23

Oder es werden entsprechend mehr Dehnungsfugen eingebaut, sprich weniger verschweißt, dafür mehr geschraubte Stöße?

K-Wagen

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15

Freitag, 3. August 2018, 21:25

Fürs Protokoll:

Die weißen Gleise in der Zufahrt zur Station Fischstein

@Hoger,- vielen Dank für die Erläuterung. Welch profaner Grund.
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Freitag, 3. August 2018, 22:57

Die Abspannung der Fahrdrähte ist ja im/am Mast.
Die langen Tragseile, gerade an den größeren Kreuzungen, dehnen sich aber aus aus. Gar nicht so abwegig, das die ebenfalls bearbeitet werden müssen .
Auch das ist dann nicht das Tragseil. ;-)
Sondern bei der Flachkette entweder der Querdraht oder der halbe Abzug.


Das Tragseil kommt ausschließlich bei der Hochkette vor.
Ein Querfeld besteht aus dem unteren Richtseil, oberes Richtseil und das (Quer)Tragseil, sonst ist das Tragseil das oben laufende Kupferseil bei der Hochkette, dass parallel zum Fahrdraht läuft und dient zur Stromfestigkeit.
Das Schicksal mischt die Karten - und wir spielen.