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[Presseschau] Besoffen am Befehlsgeber

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K-Wagen

FNF-User

  • »K-Wagen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 990

Wohnort: Frankfurt Praunheim

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1

Donnerstag, 10. Januar 2019, 16:52

Besoffen am Befehlsgeber

Laut SPON hatte ein Lokführer eines ICE 2,5 Promille und ist an Wittenberg vorbei gerauscht.
http://www.ginnheimer-kurve.de

Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

Beiträge: 1 782

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2

Samstag, 12. Januar 2019, 03:38

Boah, bei dem Bericht bekomme ich das Kotzen.

Ruckelige Fahrweise ist bei den derzeitigen Wetterverhältnissen nichts besonderes. Gemeint waren wohl eher Zwangsbremsungen oder Leistungsabschaltungen durch zu langes Schleudern.

Die Forderung von dem Pro-Bahn-Mensch ist äusserst arrogant und wirkt auf mich sehr überheblich (wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein osä.). Wie im Strassenverkehr gibt es nun mehrere Massnahmen, die dem Tf HELFEN und ihn nicht wegwerfen (Fürsorgepflicht des Arbeitgebers: herausfinden, wieso das passiert ist, dann Unterstützung zur Lösung der Probleme anbieten).

Wieder Pro-Bahn: Was für ein Ding bremst mich nach 2 (ZWEI) Minuten zum Stillstand? Ich glaube, ich hab da in den letzten Jahren irgendwas übersehen, ich kenne nur SIFA (5s-30s), PZB (sofort,nach 3s,überschreiten Prüf-Vmax) und LZB (ETCS lasse ich mal aussenn vor), aer nix nach 2 Minuten. Zeigt mal wieder, dass die keine Ahnung haben.

Natürlich könnten die Aussagen auch von SPON falsch widergegeben worden sein. Positiv muss ich SPON aber zugestehen, dass die korrekten Berufsbezeichnungen verwendet wurden.

Luna-D.
Lunatic-Driver/Luna Dorian
"Das Leben ist ein Schatten und der wandert,
ein armer Spieler nur, der seine Stunde auf einer Bühne auf- und abgeht und sich quält,
und dann ist er verscholln.

3

Samstag, 12. Januar 2019, 14:55

Wieder Pro-Bahn: Was für ein Ding bremst mich nach 2 (ZWEI) Minuten zum Stillstand? Zeigt mal wieder, dass die keine Ahnung haben.
SPON zitiert "'Wenn der so voll ist, dass er einschläft oder vom Stuhl fällt, steht der Zug zwei Minuten später.'" - und zumindest das ist korrekt. Nach dem letzten Drücken der Sifa sind es 35 Sekunden bis zum Beginn der Bremsung, und weitere 65 Sekunden bis der ICE aus Tempo 300 steht. Macht 100 Sekunden, also sind 2 Minuten in einer solchen pauschalisierten Aussage richtig.

Beiträge: 4 980

Wohnort: einst (seit 1960) : Moskau - Paris, zuletzt: Moskau - Basel und seit 11.12.2011 auch wieder Moskau- Dribb-de-Bach - Paris / Nizza

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4

Samstag, 12. Januar 2019, 15:48

Unabhängig von technischer und rechttlicher Diskussion sehe ich - eben aufgrund der bekannten Sicherheitsmaßnahmen - zumindest in Deutschland und Nachbarländern einen volltrunkenen Lokführer als das deutlich kleinere Problem an als einen betrunkenen Auto- oder gar LKW- oder Busfahrer.

Der volltrunkene Tfz wird bei einem Bedienungsfehler alsbald gestoppt, sei es das unterlöassene Betätigen der Wachsamkeitstaste oder das Missachten eines Signals. Natürlich können immer noch unter ungünstigen Umständen Menschen zu schaden kommen, am wahrscheinlichsten ist dabei immer noch, dass der oder die Tfz sich selbst beim Fallen vom Stuhl verletzt.

Die Schäden am Menschen und Sachen, die durch Trunkenheit im Straßenverkehr entstehen, sind aber Legion ...

Also braucht der Fall gar nicht so hoch gehängt zu werden, sondern passt eher ins Kuriositäten-Kabinett.

5

Samstag, 12. Januar 2019, 20:51

@OWE, ich verstehe, was Du sagen möchtest und im Vergleich hast Du schon recht.

Aber eine zu schnell befahrende Weiche im abzweigenden Strang führt zu bösen Entgleisungen. Also geht auch hier besoffen im Dienst auch nicht. Ich beziehe mich hier auf den Fall in Brühl um die Jahrtausendwende, wo ein Zug zu schnell über die Weiche gebrettert ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »SoundofN1« (12. Januar 2019, 20:51)


6

Samstag, 12. Januar 2019, 21:27

Das gesamte Thema ist doch ein recht heikles.
Sicher, die Zahl derer, die alkoholisiert am Steuer eines Kraftfahrzeugs sitzen, ist sicher (sowohl absolut als auch relativ zur Anzahl derer, die fahren) höher, und auch das Gefahrenpotential ist in einem offenen System wie dem Straßenverkehr größer als bei der Bahn. Aber das macht aus einem alkoholisierten Dienst auf der Lok trotzdem kein Kavaliersdelikt. So etwas ist ebenso unverantwortlich wie im Straßenverkehr, egal ob bei der Berufsausübung oder in der Freizeit.
Generell ist es natürlich bei Berufen, die die meiste Zeit alleine ausgeübt werden, wesentlich einfacher, eine Sucht zu verstecken. Jemand, der den ganzen Tag alleine auf der Lok oder auf dem Fahrerplatz seines LKW hockt, läuft weniger Gefahr, darauf angesprochen zu werden, als jemand, der mit zehn anderen Kollegen im Großraumbüro hockt. (Ist bei uns mal vorgekommen, daß ein Kollege nach Alkohol riechend zur Arbeit kam - allerdings stellte sich dann schnell heraus, daß nicht er, sondern nur seine Klamotten Alkohol getrunken hatten, auf dem Weg zur Arbeit hat ihm jemand Bier über die Hose gegossen, und er hatte keine Zeit mehr, sich umzuziehen.)
Eins ist jedoch ganz klar - wer mit 2,5 Promille noch fit genug ist, seinen Dienst anzutreten, ohne daß sein Pegel auffällt, konsumiert regelmäßig Alkohol. Deutlicher gesagt - da kann man durchaus von Alkoholismus ausgehen. Was also heißt, wir haben es hier mit einer Krankheit zu tun. Damit stehen wir in dem Spannungsfeld, daß einerseits jemand, der an dieser Krankheit leidet, für die ausgeübte Tätigkeit nicht geeignet ist, man aber auch andererseits wegen einer Krankheit nicht einfach so jemanden vor die Tür setzen. Letztlich denkt jemand, der unter Alkoholismus leidet, oftmals er hätte die Situation unter Kontrolle, weil sein Körper den Alkoholpegel gar nicht mehr wahrnimmt. Einerseits weiß man zwar, man tut etwas, was man nicht darf, aber andererseits signalisiert der Körper, daß das, was man gerade macht, auch nicht schlimmer ist, als mit einer Erkältung trotzdem zur Arbeit zu gehen.

Ich kenne etliche Menschen, die es geschafft haben, ihre Sucht zu überwinden. Sie haben ein völlig neues Leben, gänzlich ohne Alkohol begonnen und sich aufgebaut. Natürlich gibt es keine Garantie, daß sie bis zu ihrem Tode stark bleiben, oder daß sie überhaupt schaffen, von ihrer Sucht wegzukommen. Aber vielleicht kann man ja für solche Fälle sagen, daß man - sozusagen als Wiedereingliederung - nach Entzug und einer Therapie mit engmaschiger Kontrolle, auch unangekündigt, Menschen wie ihn wieder in seinen Beruf zurück bringen kann.
Über die journalistische "Qualität" des Artikels sage ich mal nichts weiter. SPON war noch nie die Heimat des Qualitätsjournalismus. Von anderen Vorfällen im Umfeld des Spiegels mal ganz zu schweigen.
Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.